Agile vs. nicht-agile Produktentwicklung

Macht mehr Urlaub

productable muss mal wieder Urlaub machen. Wir wohnen in Berlin, da gibt es ziemlich viele Möglichkeiten. Wir könnten mit der Bahn fahren, mit dem Fahrrad oder mit dem Auto. Oder wir fliegen mal wieder, entweder von Schönefeld oder von Tegel (wenn wir noch ein wenig warten, könnten wir auch vom BER abfliegen). Oder wir machen etwas ganz anderes und gehen zu Fuß und wandern. Wir können weiter weg oder uns in der Nähe etwas suchen. Wir können nach Norden oder nach Süden. Westen oder Osten wären aber auch nicht so schlecht. Fahren wir besser alleine oder mit Freunden? Und wie lange eigentlich? Geht es besser im Sommer los oder im Winter? Hotel oder Ferienwohnung? Wollen wir faul herumliegen, lieber etwas aktiver werden oder doch beides kombinieren? Mmmh, so viele Optionen, das wird wieder eine ziemlich schwere Entscheidung! Am besten wir stellen eine Excel-Liste zusammen mit all den Möglichkeiten, die wir so aufgesammelt haben. Wir müssen die dann nur noch detailliert beschreiben und schon können wir anhand von objektiven Kriterien eine Auswahl treffen. Erholungswert und Spaß in Relation zu den Kosten wäre eine tolle Messgröße, dann wissen wir, was das Beste für uns ist. Wir brauchen ein standardisiertes Urlaubstemplate, einen Projektmanager, einen Projektplan, Arbeitsgruppen und vor allem einen Steuerkreis!

Unser Ansatz zur Urlaubsplanung klingt irgendwie bescheuert? Ist er auch! Der ganze Prozess, der oben beschrieben ist, führt zu mehr Aufwand, aber nicht zu einer besseren Entscheidung. Egal wie viele Informationen wir sammeln, es kann immer noch jede Menge schief gehen: Die Kinder können krank werden, das Wetter schlecht sein, das Hotel nebenan so viel besser aussehen. Und wie vergleiche ich eigentlich einen Surf-Urlaub auf Hawaii mit Wandern in Nepal?

Urlaubsplanung geht anders: Der Winter kommt. Wir fahren gerne Snowboard. Wir wollen mit der Familie und Freunden fahren und müssen uns an die Schulferien halten. Wir wollen eine Ferienwohnung, da das gemütlicher ist. Der Schnee muss halbwegs sicher sein und es darf nicht zu weit weg sein. Das Ganze darf nicht mehr als X Euro kosten. Die Mission und Vision ist klar, los geht die Suche. Eine Woche und ein paar Diskussionen später ist der Urlaub ruckzuck gebucht. Zurück aus dem Urlaub, haben wir wieder eine ganze Menge gelernt, so dass die nächste Urlaubsplanung noch besser wird.

Geschäftsentscheidungen wie die Planung der Produkt-Roadmap sind nicht grundsätzlich anders als Urlaubsplanung. In beiden Fällen gibt es eine Fülle von Optionen, anspruchsvolle Stakeholder und viel Unsicherheit, Zeit und Geld sind begrenzt. Was sich unterscheiden kann, ist die Tragweite der Entscheidung. Aber das ist kein Grund, einem sinnlosen Entscheidungsprozess zu folgen. Je größer die Tragweite der Entscheidung ist, desto mehr sollte man sich vorab qualitativ Gedanken über die grundlegenden Rahmenbedingungen machen: In welchem Business bin ich überhaupt? Wer sind meine Kunden? Was ist mein Produkt? Wie sieht meine Vision und Mission aus? Welche Stellschrauben in meinem Businessmodell will ich bewegen? Diese Entscheidungen sind nicht aus Excel-Listen ablesbar, sie erfordern vorab ein großes Maß an qualitativer Klarheit, den Verzicht auf viele Optionen und den entsprechenden Mut. Steve Jobs hat das iPhone nicht bauen lassen, weil es die beste Wahl aus einer Liste mit 25 Optionen und den dazugehörigen Businessplänen war, die in einem 5-monatigen Strategie-Prozess erstellt wurden.

Die Planungen für 2014 sind in den meisten Unternehmen abgeschlossen, die nächste Saison kann mehr Spaß machen!

Foto von Dan4th auf flickr unter CC Lizenz